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Am Atheismus stört mich nur der Begriff

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Re: Am Atheismus stört mich nur der Begriff

Beitragvon idefix2 am Mi 8. Nov 2017, 12:22

manniro hat geschrieben:Denn "Atheismus" bezeichnet die konkretisierte Ablehnung eines bestimmten Glaubenskonzeptes, aus rationalen Gründen. Was soll er denn ohne das bedeuten? "Ich glaube nicht an irgendwas X-Beliebiges, ich glaube gar nichts"?

Nein, das sehe ich nicht so.
Atheismus bedeutet, ein Weltbild zu haben, in dem nichts vorkommt, was zum Begriff "Gott" passen würde. Natürlich braucht es den Gottesbegriff, um von einem "Weltbild, in dem dieser Begriff nicht vorkommt" zu sprechen, und natürlich hätte niemand den Begriff Atheist geprägt, wenn es nicht eine Unzahl Menschen geben würde, in deren Weltbild irgend eine Form von Gott herumspukt.

Ein Mensch, dem der Begriff "Gott" noch nie in seinem Leben untergekommen ist, und der deshalb mit diesem Begriff nichts anfangen kann, wird sich selbst natürlich nicht als Atheist bezeichnen (er weiss ja nicht einmal, was das für ein Konzept sein soll, woran er da nicht glaubt), aber er ist definitiv einer. Weil dafür genügt, dass in seinem Weltbild nichts "Gott"-artiges vorkommt. Wenn man ihn nämlich fragt: "Glaubst du, dass es [Beschreibung eines beliebigen Gottesbegriffs] gibt?", dann wird er mit nein antworten.

Mich stört "der Begriff" am Atheismus nicht, was mich stört, ist, dass in unserer Gesellschaft so viele religiös verstrahlte leben und die Gesellschaft mit ihrem unsichtbaren Freund prägen, dass ein eigener sprachlicher Asudruck für diejenigen gebildet worden ist, die ohne irgend einen unsichtbaren Freund leben. Wir sprechen nicht von Aphilatelisten oder A-Feeisten - Warum wohl werden diese Begriffe nicht gebraucht?
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Re: Am Atheismus stört mich nur der Begriff

Beitragvon Martin am Mi 8. Nov 2017, 14:08

Das ist so ähnliche wie mit den Leuten die keine Briefmarken sammeln. Was sammeln die statt dessen?
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Re: Am Atheismus stört mich nur der Begriff

Beitragvon bonito am Mi 8. Nov 2017, 14:08

A-*denkDirWasAus* Begriffe werden nicht benötigt, weil die Anhänger von *denkDirWasAus* keine Macht haben und daher dein Leben nicht beeinflussen.

Gottgläubige dagegen diffamieren A-Gottgläubige und räumen sich wegen ihrem Gott-glauben Extrarechte ein.

Daher benötigt man einen Begriff wie Atheist, aber keinen für A-Briefmarkensammler.
Unter den vielen Lügenmächten, die in der Welt wirksam sind, ist die Theologie eine der ersten.
(Mahatma Gandhi, indischer Politiker und Reformator, 1869-1948)
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Re: Am Atheismus stört mich nur der Begriff

Beitragvon Martin am Mi 8. Nov 2017, 15:02

Je eben, aber diese dummen Gottglauber unterstellen dann dem Nicht-Glaubenden alle möglichen Sachen und machen damit diese simplen Wörter kaputt.

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Re: Am Atheismus stört mich nur der Begriff

Beitragvon idefix2 am Do 9. Nov 2017, 17:09

@bonito
Genau das habe ich gemeint. Der Begriff selbst stört mich nicht, aber es stören mich die von dir genannten Umstände, die Grund dafür sind, dass es den Begriff gibt.
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Re: Am Atheismus stört mich nur der Begriff

Beitragvon Föderation am Di 12. Dez 2017, 12:33

Die Ausgangsfrage ist diejenige nach dem Begriff der Weltanschauung. Eine Weltanschauung muss nicht kollektivistisch sein, um eine Weltanschauung zu sein, aber sie beinhaltet substanziell mehr, als die Ablehnung von irgendetwas anderem.

Neben Atheismus gibt es verschiedene Grenzlinien, die man ziehen kann, aus deren grundlegender Denkweise sich der Atheismus überhaupt ergibt bzw. aus deren grundlegender Ablehnung heraus sich der Theismus ergibt:

Naturalismus (vgl. the-brights.net).
(Brights findet sich bei Wikipedia, die „naturalistische Weltanschauung“ ansich ist aber anscheinend so prekär, dass dazu nicht einmal ein Artikel zugelassen wird.) Eine andere Grenzlinie wäre z. B. der Monismus (als Ablehnung des Substanzdualismus, des Seelen/Geisterglaubens), der aber in Wirklichkeit auch nur wieder eine Unterart naturalistischer Denkweise ist. Eine andere Grenzziehung wäre der Rationalismus (nicht rationell = wirtschaftlich, sondern rational = logisch, verstandsbedingt), der aber auch wieder in bestimmten Formen des Naturalismus enthalten ist. Humanismus oder Utilitarismus wären ethische Grenzziehungen (teils auch Kapitalismus, siehe Ayn Rand) in Abgrenzung zum Christentum beispielsweise, während Naturalismus die metaphysische Grundlage angreift. Determinismus ist dann wieder so eine andere Abgrenzung.

In Bezug auf Atheismus hatte ich einmal den Begriff des „knownothings“ vorgeschlagen: Gottheit kenne ich nicht, ist mir nicht untergekommen und interessiert mich auch nicht.
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Re: Am Atheismus stört mich nur der Begriff

Beitragvon Martin am Di 12. Dez 2017, 23:17

Früher hatten wir immer mal die Diskussion was Atheisten alles noch machen sollen. In meinen Augen reicht der Begriff für eine Sache die man nicht macht. Für alles andere kann man andere Begriffe finden. (Ähnliches Problem gibts beim Veganerbegriff. Ist es ein Lebensstil, oder eine reine Diätbenennung?)
Ist blöd, wenn dauernd irgendwelche Leute die Begriffe umdefinieren, damit kommt man gar nicht mehr zum richtigen Austausch.
Vielleicht kannman auch nicht-Glauber oder Null-Glauber nehmen, aber das versteht dann auch wieder keiner.

Grüße,

Martin
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Re: Am Atheismus stört mich nur der Begriff

Beitragvon Föderation am Fr 15. Dez 2017, 18:20

Der unterschiedliche Umfang von Naturalismus und Atheismus ist aber schon substanziell.
Das eine ist die Ablehnung von etwas, das andere ist eine Weltanschauung.

Mich nerven die Atheisten genau so wie die Gläubigen, wenn die dann mit irgendeinem Wiedergeburtsglauben aufwarten, mit Wünschelrutenlaufen, wohlmöglich Hellseherei, Globuliglauben - es gibt eben keine Grenzen. Ich sehe bei solchen Atheisten keinen nennenswerten Unterschied zu Religiösen. Die Basis fehlt, die rationale Erkenntnismethode: Damit wird auch der Atheismus völlig nivelliert.
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