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Pseudowissenschaft Gendertheorie

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Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon donquijote am Mo 25. Mai 2015, 13:54

Dies ist sie jedenfalls in den Augen des Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera, der die Theorie mit dem Kreationismus vergleicht:

Universitäre Pseudowissenschaft
Einmal dachte ich, ich hätte unrecht. Aber ich hatte mich ausnahmsweise getäuscht.
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon TrES-4 am Mo 25. Mai 2015, 15:19

Viel erstaunter bin ich über die Aussage: "Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn außer im Lichte der Evolution." Ein wenig Größenwahn scheint er ja inne zu haben. Ich bin kein Freund der Gendertheorie, aber sie zwanghaft mit Krationismus zu vergleichen, weil man sich an diesem Feindbild bereits mühselig abarbeitet hat, mutet zwanghaft an und den Beigeschmack von "Ich mache es mir leicht."
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon donquijote am Mo 25. Mai 2015, 16:54

TrES-4 hat geschrieben:Viel erstaunter bin ich über die Aussage: "Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn außer im Lichte der Evolution." Ein wenig Größenwahn scheint er ja inne zu haben.


Da zitiert er lediglich den so ziemlich bekanntesten Spruch innerhalb der gesamten Biologie:
http://de.wikipedia.org/wiki/Theodosius_Dobzhansky

TrES-4 hat geschrieben:Ich bin kein Freund der Gendertheorie, aber sie zwanghaft mit Krationismus zu vergleichen, weil man sich an diesem Feindbild bereits mühselig abarbeitet hat, mutet zwanghaft an und den Beigeschmack von "Ich mache es mir leicht."


Dieses Problem habe ich auch. Kreationisten haben sehr häufig ein ziemlich religiöses Geschlechterbild, das auf einer klaren Geschlechterrollentrennung beruht. Gendertheoretiker würden es als biologistisch bezeichnen. Die Grundannahmen zum Geschlecht sind bei Kreationisten und Gendertheoretiker im Allgemeinen grundverschieden. Deshalb kann man sie nur schwerlich miteinander vergleichen.

Wobei ich ihm recht gebe: Die Gendertheorie beruht auf Grundannahmen, für die es keine wissenschaftliche Grundlage gibt. Deshalb ist sie bestenfalls als pseudowissenschaftlich zu bezeichnen.

Lustig finde ich allerdings, dass mich El Schwalmo hier mehrfach mit gendertheoretischem Unsinn einzulullen versucht hat. Deshalb gefallen mir Kutscheras klare Worte.
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon TrES-4 am Mo 25. Mai 2015, 18:19

Habe versehentlich den falschen Spruch gelistet. In dem von dir geposteten Beitrag war er nämlich abgewandelt und weitaus kritischer zu begutachten: "Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn, außer im Lichte der Biologie." An der obigen Version habe ich eig. nichts zu beanstanden, diese hingegen grenzt m.E. an Größenwahn.
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon donquijote am Mo 25. Mai 2015, 22:23

TrES-4 hat geschrieben:In dem von dir geposteten Beitrag war er nämlich abgewandelt und weitaus kritischer zu begutachten: "Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn, außer im Lichte der Biologie." An der obigen Version habe ich eig. nichts zu beanstanden, diese hingegen grenzt m.E. an Größenwahn.


Au ja, das habe ich doch glatt überlesen, weil mir das Ursprungszitat von Dobzhansky so geläufig ist, dass ich einen entsprechenden Satzbeginn schon automatisch in Gedanken dazu verlängere. In dieser Form aber ist das bedenklicher Biologismus.

Bei Mersch heißt es allgemeiner: "Nichts macht Sinn, außer im Lichte der Evolution." Das wird aber nicht einfach nur so dahergesagt, sondern gewissermaßen herausgearbeitet: Sinn und Bedeutung können für Lebewesen nur per Evolution entstehen.
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon manniro am Di 26. Mai 2015, 09:40

donquijote hat geschrieben:
Bei Mersch heißt es allgemeiner: "Nichts macht Sinn, außer im Lichte der Evolution."


Bliebe die Frage: "Und was ist der Sinn der Evolution"?

Das ist der alte Hut: "Meine Kinder sollen es mal besser haben" in modernem Gewand. Kapitulation bei der Sinnfindung für das eigene Leben, ad infinitum. Nur etwas praktischer als das Warten auf das Jüngste Gericht, aber ähnlich sinnlos. :lol:

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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon Nasobēm am Di 26. Mai 2015, 10:47

Biologismus ... ist ein abwertend gebrauchter Begriff für philosophische und weltanschauliche Positionen, die menschliche Verhaltensweisen und gesellschaftliche Zusammenhänge vorrangig durch biologische Gesetzmäßigkeiten zu erklären versuchen und von denen einige auch eine entsprechende Ausgestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse anstreben.

Und besonders in dem Fall ist der Begriff völlig daneben und nur dumme Stimmungsmache. Ich seh hier schon wieder einen Faden 'vermerschen' - wobei das hier ja am rechten Platz wäre :lol:


Dem "Gender Mainstreaming" liegt zu Grunde, dass alle Geschlechter - im Prinzip also alle Menschen in sämtlichen Bereichen gleichgestellt werden, Männer, Frauen, auch Gruppen wie Homosexuelle oder Intersexuelle.
Dagegen ist erst mal nicht zu sagen. Leider ist es dabei nicht geblieben und, wie so oft am Anfang einer Bewegung wird oft über das Ziel hinaus geschossen. Und die Behauptung der 'Gender-Theorie', die imo reichlich nebulös ist, behauptet, die Unterschiede zwischen Mann und Frau seien alle kulturell konstruiert. Sieht man von Penis und Vagina ab - kommt man irgendwie nur schlecht dran vorbei - sind alles andere 'kulturelle Akte'

Wenn jemand fordert, Fotos von der Hirschbrunft müssten aus der Werbebroschüre eines Naturparks entfernt werden, da die Bilder der Hirsche stereotype Geschlechterrollen fördern würden oder Anatomie sei ein 'soziales Konstrukt' hat imo ein Rad ab.
Außerdem springen nun mal etliche obskure Gruppen auf diesen Zug auf, darunter eben auch anti-darwininstisch eingestellte Gruppen.

Der Konsens der AAAS-Diskussion, von der Kutschera berichtet, war:
"Evolutionsbiologen sollten den Gernderismus, eine universitäre Pseudowissenschaft, die den deutschen Steuerzahler jährlich viele Millionen Euro kostet, mit demselben ernst analysieren und sachlich widerlegen, wie den damit geistesverwandten Kreationismus"

"Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn außer im Lichte der Evolution." Ein wenig Größenwahn scheint er ja inne zu haben. Ich bin kein Freund der Gendertheorie, aber sie zwanghaft mit Krationismus zu vergleichen, weil man sich an diesem Feindbild bereits mühselig abarbeitet hat, mutet zwanghaft an und den Beigeschmack von "Ich mache es mir leicht."

Zum einen sehe ich nicht wo hier 'zwanghaft' verglichen wurde und den 'Größenwahn' kann ich auch nicht erkennen.
Viele Genderforscherinnen halten die Naturwissenschaften für den Teufel. Da reichen sie den Kreationisten die Hand - auch die meinen Darwin wäre die Verkörperung Satans und die Bibel ein Geschichtsbuch.
Solche Sätze kommen von Genderforscherinnen: "Naturwissenschaften reproduzieren herrschende Normen." – "Naturwissenschaften konstruieren Wissen, das den gesellschaftlichen Systemen zuarbeitet." – "Der Objektivitätsanspruch der Wissenschaft ist ein verdeckter männlicher Habitus." – "Naturwissenschaft und Medizin haben eine ähnliche Funktion, wie die Theologie sie einst hatte"

Die Ansicht, nur Penis und Vagina würden Männer und Frauen unterscheiden und alles andere wäre kulturell bedingt ist so daneben, da kann man gleich sagen Vererbung und Hormone gibt es nicht und Verhalten hat auch nichts damit zu tun.
Verhalten ist AUCH und in erster Linie vom Geschlecht abhängig. In welcher Ausprägung hängt von körperlichen sowie von kulturellen Faktoren ab. Dazu gibt es zig-tausende Belege.
Einer der tragischsten ist imo David Reimer

manniro hat geschrieben:Bliebe die Frage: "Und was ist der Sinn der Evolution"?

nein, die Frage bleibt nicht.
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon manniro am Di 26. Mai 2015, 11:39

Nasobēm hat geschrieben:
manniro hat geschrieben:Bliebe die Frage: "Und was ist der Sinn der Evolution"?


nein, die Frage bleibt nicht.


Gut zu wissen...

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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon donquijote am Di 26. Mai 2015, 14:21

manniro hat geschrieben: Das ist der alte Hut: "Meine Kinder sollen es mal besser haben" in modernem Gewand. Kapitulation bei der Sinnfindung für das eigene Leben, ad infinitum. Nur etwas praktischer als das Warten auf das Jüngste Gericht, aber ähnlich sinnlos. :lol:


Es geht dabei um viel banalere Dinge. Stellen wir uns ein Individuum vor, welches irgendwelche Informationen aus seiner Umwelt bezieht (empfängt). Sagen wir mal im ersten Fall "011000110111..." und im zweiten Fall "1001001110010011...". Warum sollte die eine Information für unser Individuum einen "Sinn" ergeben und die andere nicht? Warum sollte es auf die eine Information reagieren und auf die andere nicht? Besitzt es etwa ein A-priori-Wissen von seiner Welt. Besitzt es eine a-priori-Semantik für Informationen? Mersch zeigt in seinem Buch, dass Semantik (und damit Bedeutung und Sinn) nur per Evolution entstehen kann (es sei denn, man führt einen Gott ein, der den Menschen einen Sinn einhaucht).
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon donquijote am Di 26. Mai 2015, 14:27

Nasobēm hat geschrieben:
"Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn außer im Lichte der Evolution." Ein wenig Größenwahn scheint er ja inne zu haben. Ich bin kein Freund der Gendertheorie, aber sie zwanghaft mit Krationismus zu vergleichen, weil man sich an diesem Feindbild bereits mühselig abarbeitet hat, mutet zwanghaft an und den Beigeschmack von "Ich mache es mir leicht."

Zum einen sehe ich nicht wo hier 'zwanghaft' verglichen wurde und den 'Größenwahn' kann ich auch nicht erkennen.


Das mag daran liegen, dass der von dir wiedergegebene (harmlose) Spruch so nicht in Kutscheras Text stand, sondern als: "Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn außer im Lichte der Biologie." Und das könnte man sehr wohl als anmaßend und biologistisch bezeichnen.
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Nun auch bei der Richard Dawkins Foundation

Beitragvon donquijote am Di 2. Jun 2015, 12:08

http://de.richarddawkins.net/articles/h ... e-eizellen

Von dort geht es dann weiter auf den ganzen Artikel in der FAZ.

Man könnte an dieser Stelle allerdings eine Gegenkritik äußern, dass nämlich vieles, was von Dawkins gekommen ist, wissenschaftlichen Ansprüchen ebenfalls nicht standhält bzw. standgehalten hat.
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon Nasobēm am Di 2. Jun 2015, 16:51

donquijote hat geschrieben:.... "Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn außer im Lichte der Biologie." Und das könnte man sehr wohl als anmaßend und biologistisch bezeichnen.

warum? :lol:
Die 'Geisteswissenschaften kranken doch daran, dass sie zum großen Teil noch ohne Basis arbeiten. Der Satz ist vielleicht etwas überspitzt, bringt es aber gut auf den Punkt. Wäre ja so, als würde die Biologie sich einen Teufel um Chemie und Physik kümmern.
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon manniro am Mi 3. Jun 2015, 09:06

Daß sich die empirische Biologie mit Sinnfragen befasst, ist allerdings eine faszinierende Erkenntnis...

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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon Aethyr am Mi 3. Jun 2015, 10:30

Nichts in der Mathematik ergibt einen Sinn außer im Lichte der Biologie.

Schließlich ist das menschliche Gehirn ein durch die Evolution entstandenes Organ.
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Re: Pseudowissenschaft Gendertheorie

Beitragvon donquijote am Do 4. Jun 2015, 12:10

Nasobēm hat geschrieben:Die 'Geisteswissenschaften kranken doch daran, dass sie zum großen Teil noch ohne Basis arbeiten.


Daran hätte sich mit Dawkins Memetik nichts geändert. Bekanntlich war das ein Versuch, einen Teil der Geisteswissenschaften mit biologischen Konzepten zu fundieren.

Nasobēm hat geschrieben:Der Satz ist vielleicht etwas überspitzt, bringt es aber gut auf den Punkt. Wäre ja so, als würde die Biologie sich einen Teufel um Chemie und Physik kümmern.


Ich finde den gesamten Vorgang schon sehr bemerkenswert. Mersch wurde auch in diesem Forum von El Schwalmo unterstellt (und angegriffen), er verfolge mit seiner Systemischen Evolutionstheorie lediglich eine politische Agenda, nämlich sein Familienmanager-Konzept zu puschen, was aber auf einem reaktionären Geschlechterkonzept beruhe. Mersch hatte in seinen familienpolitischen Büchern demgegenüber argumentiert, dass bereits die "Familie" biologische und insbesondere evolutionäre Wurzeln besitze, und die müssten bei einer gesellschaftsweiten Durchsetzung der Gleichberechtigung der Geschlechter (und Gender-Mainstreaming erst recht) berücksichtigt werden, was aber nicht getan werde, da in den zuständigen Fachdisziplinen und auch in der Politik biologische Gesichtspunkte tabu seien. Eine solche Wurzel sei z. B. die Ernährerfunktion der Familie. Sie lautet: Familien sollten im Allgemeinen und nach Möglichkeit (und wenn die nicht gegeben ist, greift in modernen Gesellschaften der Staat ein) sich (inkl. Kinder) selbst ernähren. In patriarchalischen Gesellschaften hatte dieses Feature der Familie ganz klar auch biologische Wurzeln. Gemäß Mersch sollte man die kennen, wenn man Familienpolitik betreibt.

Einmal holte sich El Schwalmo sogar Kutschera zu Hilfe, um besser gegen Mersch wettern zu können.

Nun lese ich da aber zunehmend Dinge, die vermuten lassen, dass Kutschera und Dawkins noch weit striktere biologische Ansichten vertreten. Man könnte hier fast von einem Primat der Biologie sprechen. Und ich lese, dass sie insbesondere dem Gender-Konzept sehr kritisch gegenüber stehen.

Wenn also in den Geisteswissenschaften nichts Sinn macht außer im Lichte der Biologie und damit ganz konkret Konzepte wie Gender gemeint sind, dann müsste sich das ja ganz konkret zeigen lassen, insbesondere dort, wo Gender im Grunde die größten Auswirkungen hat, nämlich in der Familie. Mersch hat für mich in seinen familienpolitischen Büchern ziemlich stringent gezeigt, dass die gesellschaftliche Durchsetzung von paritätischer Familienarbeit zwischen den Geschlechtern (d.h. Gleichheit zwischen den Geschlechtern auch bei der Familienarbeit) bei gleichzeitiger Beibehaltung der patriarchalischen Ernährerfunktion der Familie (d.h., die Familie sollte die Mittel zur Ernährung ihrer Mitglieder nach Möglichkeit selbst beschaffen) - wie das in unserer Gesellschaft der Fall ist und wie es heute auch politisch vertreten wird - zu geringen Geburtenraten bei gleichzeitigem Anstieg der Kinderarmut (d.h. zu einem zunehmenden Abrutschen der Reproduktion in sozial schwache Schichten) führen wird, wie man es in den meisten industrialisierten Ländern auch beobachten kann. Merschs Folgerung: Paritätische Familienarbeit und Ernährerfunktion sind unvereinbare Konzepte. Ändert man auf der einen Seite, kann man auf der anderen nicht alles beim Alten belassen.

Was ich damit sagen will: Ist Kutscheras Spruch lediglich budgettechnisch zu verstehen (etwa in der folgenden Art: "Da bekommen viele quotengeförderte Professorinnen üppige Budgets für sinnloses Herumforschen an Frauengedöhns und Schwulenangelegenheiten. Dieses Geld sollte man lieber mir geben, denn meine Forschung hat mehr Substanz!"), oder steht dahinter ein ganz konkreter wissenschaftlicher Anspruch, man könnte auf der Grundlage der Biologie und der Evolutionstheorie bessere Antworten zu sozialen Problemstellungen liefern??? Wenn Letzteres gemeint ist, dann sollte man meiner Meinung nach viel konkreter werden, anstatt nur auszuteilen.
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