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Inkompatibilität westl. Esoterik mit der anderer Kulturen

Spirituelle Erkenntnisse, Pseudowissenschaften, Mystik und andere unorthodoxe Ideen

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Inkompatibilität westl. Esoterik mit der anderer Kulturen

Beitragvon Aethyr am Sa 22. Aug 2015, 20:50

Ich bin leider nicht übermäßig auf diesem Gebiet bewandert, allerdings weiß ich, dass es zumindest in Europa, Indien und China usw. jeweils eine
  • Astrologie
  • Alchemie (ok, die ist ziemlich aus der Mode gekommen)
  • Numerologie
gibt. Das Problem an den dreien ist, dass sie im Gegensatz zu anderen Gebieten der Esoterik irgendwann mal mit einer Wissenschaft zusammenhingen:
  • Astrologie <> Astronomie
  • Alchemie <> Chemie
  • Numerologie <> Zahlentheorie/Mathematik
Esoterik bleibt ja gerne vage und unklar, oder böser ausgedrückt: sie versucht sich unfalsifizierbar zu machen.

Bei Astrologie, Alchemie und Numerologie haben wir aber das Problem, dass die Objekte, durch die Erkenntnis erlangt oder gewirkt werden soll, tatsächlich existieren!

Es existieren nun mal
  • Sterne und Planeten
  • chemische Stoffe
  • Zahlen
und auf deren mystischer Interpretation baut dann dann das ganze Gedankengebäude auf.

Schon eine oberflächliche Beschäftigung zeigt, dass diese esoterischen Systeme völlig inkompatibel scheinen.
Ein Beispiel (wer gute Beispiele kennt, bitte posten!):
Die Bedeutung der Planeten in der westlichen und indischen Astrologie deckt sich nicht. Der chinesische 12-Jahresrythmus ist der westlichen und indischen Astrologie völlig fremd. Die Mondhäuser in der chinesischen Astrologie haben andere Bedeutung und der Mondmonat basiert nicht auf einer siderischen Periode sondern geht dort von Neumond zu Neumond. Alle Ähnlichkeiten zwischen dem Tierkreis der indischen und westlichen Astrologie gehen kaputt, weil die indische Astrologie im Gegensatz zu der westlichen Astrologie die Präzession der Erde miteinbezieht, Tierkreiszeichen und Sternzeichen stimmen also in der indischen Astrologie überein (siderischer Tierkreis), in der westlichen nicht (tropischer Tierkreis).

Damit professionellen Esoterikern die Kunden nicht davonlaufen, müssen sie einerseits wissenschaftliche Skepsis erfolgreich abwehren andererseits sich ausreichend gegenüber "normaler" organisierter Religion abgrenzen.

Die Abwehrmanöver gegenüber wissenschaftlicher Skepsis aufzuzählen können wir uns sparen, die sind hier hinlänglich bekannt, denke ich.

Organisierter Religion gesteht der Esoteriker zumindest zu, dass sie erkannt hat, dass es etwas "Höheres" gibt. Allerdings ist organisierte Religion in engstirnigem Dogmatismus festgefahren; ihre Institutionen beanspruchen das Monopol auf Wahrheit und Kontakt zum "Höheren," halten den Gläubigen in Angst und geistiger Unfreiheit und stehen damit letztlich seiner individuellen, spirituellen Entwicklung im Wege. Esoterik gewährt einem im Gegensatz dazu natürlich den Zugang zur "wahren Weisheit" ungefiltert, undogmatisch, individuell erfahrbar, etc. yada yada

Aber wenn auch Reiki und Runenwerfen vielleicht nicht in Konflikt geraten, bei westlicher, indischer und chinesischer Alchemie, Astrologie und Numerologie sieht es nicht so rosig aus.

Wenn ein Astrologe einen Artikel "Indische Astrologie - kritisch hinterfragt" schreibt, schreckt das nicht mehr Kunden ab als jede wissenschaftliche Widerlegung?

Weil sich die Illusion von geistiger Offenheit und Toleranz auflöst, die zur Abgrenzung von organisierter Religion doch so wichtig ist. Oder überbewerte ich das?
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Aethyr
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Re: Inkompatibilität westl. Esoterik mit der anderer Kulturen

Beitragvon Nasobēm am Sa 22. Aug 2015, 22:43

Aethyr hat geschrieben:... Das Problem an den dreien ist, dass sie im Gegensatz zu anderen Gebieten der Esoterik irgendwann mal mit einer Wissenschaft zusammenhingen: ...

Na ja, was heißt 'zusammenhingen'. Aus der Alchemie bzw. Astrologie hat sich dann so nach und nach die Chemie bzw. die Astromomie entwickelt. Nachdem entsprechende Methoden und technische Voraussetzungen geschaffen worden waren.

Und schaut man sich z.B. die Astologie an, dann hat die nicht nur das Problem, dass die Tierkreiszeichen und deren Bedeutung in unterschiedichen Kulturen unterschiedlich sind. Auch innerhalb eines Kulturkreises gibt es genug Probleme für sie. Erstmal sind die Planetenkonstellationen inzwischen zur Jungsteinzeit um ca. 30Grad verschoben - die Berechnungen beruhen also auf völlig veralteten Stellungen, dann sind die Elemente (Sterne) die ein Tierkreiszeichen bilden nur scheinbar in einer Ebene, idR haben sie nichts miteinander zu tun.

Aethyr hat geschrieben:Damit professionellen Esoterikern die Kunden nicht davonlaufen, müssen sie einerseits wissenschaftliche Skepsis erfolgreich abwehren andererseits sich ausreichend gegenüber "normaler" organisierter Religion abgrenzen.

so schwierig ist das nicht. Sie müssen nur 'cold reading' beherrschen. Dann sind sie schon gut dabei. Derren Brown zeigt ganz nett wie das geht


Aethyr hat geschrieben:..., schreckt das nicht mehr Kunden ab als jede wissenschaftliche Widerlegung?

nee, warum sollte es das? 'Die anderen' haben halt nicht recht.
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Nasobēm
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Re: Inkompatibilität westl. Esoterik mit der anderer Kulturen

Beitragvon Aethyr am So 23. Aug 2015, 01:06

Nasobēm hat geschrieben:
Aethyr hat geschrieben:... Das Problem an den dreien ist, dass sie im Gegensatz zu anderen Gebieten der Esoterik irgendwann mal mit einer Wissenschaft zusammenhingen: ...

Na ja, was heißt 'zusammenhingen'. Aus der Alchemie bzw. Astrologie hat sich dann so nach und nach die Chemie bzw. die Astromomie entwickelt. Nachdem entsprechende Methoden und technische Voraussetzungen geschaffen worden waren.
Die Formulierung scheint mir mindestens genauso problematisch.
Und schaut man sich z.B. die Astologie an, dann hat die nicht nur das Problem, dass die Tierkreiszeichen und deren Bedeutung in unterschiedichen Kulturen unterschiedlich sind.
Das schwerwiegendste Problem dürfte sein, dass sich die Astrologie nicht verifizieren lässt. Aber genau solche Diskussionen will ich hier nicht führen, darüber sind wir uns eh einig. Es geht hier nur um die Psychologie von Astrologiegläubigen (oder allgemein Esoterikgläubigen).
Auch innerhalb eines Kulturkreises gibt es genug Probleme für sie. Erstmal sind die Planetenkonstellationen inzwischen zur Jungsteinzeit um ca. 30Grad verschoben - die Berechnungen beruhen also auf völlig veralteten Stellungen, dann sind die Elemente (Sterne) die ein Tierkreiszeichen bilden nur scheinbar in einer Ebene, idR haben sie nichts miteinander zu tun.
Naja, genau darauf bin ich doch in meinem Beitrag eingegangen. :roll:
Aber als ob das Astrologen nicht wüssten! Dann sehen sie in den Tierkreiszeichen halt nur "Namen" für einen Jahresabschnitt, na und?
AstroWiki hat geschrieben:Der tropische Tierkreis ist unabhängig von der Position und Figuration der Sternbilder. Entstehungsgeschichtlich wurde er vom Sternbilder-Tierkreis abgekoppelt, als die Präzession entdeckt worden war - womit klar wurde, dass die bis dahin übliche Methode, Konstellationen und Jahresereignisse mit dem Erscheinen bestimmter Sterne festzulegen, unsinnig ist, wenn diese sich selbst um einen Grad in ca. 72 Jahren durch den Tierkreis bewegten.
Aethyr hat geschrieben:Damit professionellen Esoterikern die Kunden nicht davonlaufen, müssen sie einerseits wissenschaftliche Skepsis erfolgreich abwehren andererseits sich ausreichend gegenüber "normaler" organisierter Religion abgrenzen.


so schwierig ist das nicht. Sie müssen nur 'cold reading' beherrschen. Dann sind sie schon gut dabei. Derren Brown zeigt ganz nett wie das geht
Jo, es geht doch hier nicht darum wie Esoteriker mit diversen Tricks es schaffen überzeugend zu wirken.
Worum es hier u. a. geht, ist, dass sich jeder ohne Mühe über all diese Techniken informieren kann und trotzdem es munter weiter geht mit der Esoterik.

Es ist für Esoteriker unbedingt notwendig solche Kritik so gut es geht zu delegitimieren, umso trockener, dogmatisch-verschlossen ein Skeptiker rüberkommt, umso leichter fällt ihnen das.
Aethyr hat geschrieben:..., schreckt das nicht mehr Kunden ab als jede wissenschaftliche Widerlegung?

nee, warum sollte es das? 'Die anderen' haben halt nicht recht.
Ach ne....... :roll:
Ich hab doch lang und breit erklärt warum ich meine, dass das eine äußerst suboptimale Lösung für Esoteriker ist. Diese eigentlich interessante Frage übergehst du einfach. :roll:
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Re: Inkompatibilität westl. Esoterik mit der anderer Kulturen

Beitragvon Nasobēm am So 23. Aug 2015, 08:59

Aethyr hat geschrieben:...Ich hab doch lang und breit erklärt warum ich meine, dass das eine äußerst suboptimale Lösung für Esoteriker ist. Diese eigentlich interessante Frage übergehst du einfach. :roll:

Hmm... ich hab mal gelernt, dass es idR an mir liegt, wenn andere nicht verstehen was ich meine. Ich denke, was du die 'eigentlich interessante Frage' nennst habe ich sehr wohl beantwortet, ist aber anscheinend nicht bei dir angekommen. Was meinst du mit 'suboptimale Lösung'? Das ist für ein Glaubensgebäude doch völlig egal - es wird nicht gegen andere Glaubensgebäude 'bewertet' sondern muss nur 'in sich' rel. schlüssig sein.
Esoterik wird von vielen Leuten als Orientierungshilfe genommen - das was früher viel mehr von der Religion übernommen wurde. Außerdem haben viele Leute ein Bedürfnis nach 'einfachen' Antworten, komplexe Sachverhalte die womöglich auch noch kein klares 'richtig' und 'falsch' liefern bedeutet Unsicherheit. Okkultismus ist der Versuch eine komplexe Welt die außerhalb des eigenen Einflusses liegt 'zu beherrschen'. Sie glauben auch, dass es sich um 'uraltes Wissen' handelt, das weit weniger prosaisch ist als das, was die Wissenschaft herausfindet.

Lesen nun z.B. Leute die an die 'westliche Astrologie' glauben etwas über die 'indische Astrologie' braucht sie das nicht weiter zu tangieren. Beide interpretiert nur die Vorgänge, erklären aber nicht die Vorgänge selbst. Erscheint jemand die andere Interpretation einleuchtender wechselt er halt. So what? Grundsätzlich hat sich nichts für ihn verändert.
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