atheisten.org

Diskussionen von Atheisten, Gläubigen, Freidenkern

Zum Inhalt


  • Anzeigen

Märchenforschung

Spirituelle Erkenntnisse, Pseudowissenschaften, Mystik und andere unorthodoxe Ideen

Moderatoren: Heraklit, Super-Moderator, Admins

Re: Märchenforschung

Beitragvon Hamburger02 am Di 4. Mär 2014, 15:26

Bernard Glasa hat geschrieben:Alle von mir in dieses Forum gestellten Beiträge sind urheberrechtlich auf meinen realen Namen geschützt.

Das reicht aber nicht als Angabe, wenn du bei Verwendung von Ausschnitten aus deinen Beiträgen (Zitate) als Quelle gem. §63 UrhG angegeben werden möchtest. So dürfen Zitate ohne Quellenangabe verwendet werden.

Außerdem ist es unzulässig, auf Texte, die keine eigene Schöpfungshöhe aufweisen, das Urheberrecht zu beanspruchen. Das machst du aber.

Außerdem mischt du Beiträge aus anderen Quellen und deine eigenen Texte, beanspruchst aber auf alles das Urheberecht (siehe Zitat oben). Das ist illegal. Wenn du Urheberrecht beanspruchst musst du eindeutig kennzeichnen, was von dir ist und was von anderen ist, ansonsten verlierst du deine Ansprüche.
Nichts im Universum macht Sinn außer im Licht der Entropie.
Hamburger02
Foren-Weise
Foren-Weise
 
Beiträge: 4550
Registriert: 12.10.2011

Re: Märchenforschung

Beitragvon Bernard Glasa am Do 6. Mär 2014, 18:46

Zu Urheberrecht
Tausend Dank, Du hast recht. Da habe ich mich in etwas hineingequaselt, das Unsinn ist.
Eigentlich geht es mir dabei darum, zu eigenen Überzeugungen zu stehen und sich nicht einschüchtern zu lassen.
Ich bin Dir was schuldig.
Bernard Glasa
Foren-Newbie
Foren-Newbie
 
Beiträge: 41
Registriert: 10.02.2014

Re: Märchenforschung

Beitragvon Bernard Glasa am Fr 7. Mär 2014, 14:27

Leseprobe

„Ding! – Dong!“, es läutet.
Ich öffne die Tür. Meine Gäste schauen mir neugierig nach.
Es ist Mama schon wieder.
Sie will wissen, ob wir noch was brauchen. Dankend lehnen wir ab. Sie kommt trotzdem herein, Tablett und Kaffeekanne abzuholen.
„Ich hoffe, es hat ihnen geschmeckt“, sagt sie sehr bescheiden und freundlich.
„Danke, ja! Sehr lecker!“, loben meine Gäste.
Rupert erhebt sich, macht einen Diener und reicht ihr freundlich die Kanne.
„Oh, danke! – Alles auf! Dann ist ’s ja gut! – So, dann will ich euch mal nicht weiter stören.“
Sie geht.
Und während sie umständlich die Türen hinter sich schließt, hören wir ein energisches: ‚Ihr könnt jetzt nicht da rein, Bernd hat Besuch!‘, von ihr sowie ein heiteres Durcheinandergequatsche von Kindern, die mit dem Hund ­spielen.
Aber so ist sie nun mal. Haben die Kinder keine Zeit, landen auch Enkel und Urenkel und deren Spielgefährten bei ihr; und ich frage mich, ob sie wohl noch die Zeit finden wird, meine Wäsche zu bügeln und den Hund zu versorgen.
Von der anderen Seite, aus dem Garten, dringt hingegen ein Gekreische zu uns, als würden Ferkel zerrissen. Papa hat die Säge angeschmissen und kürzt irgendwelche Bretter. Bestimmt für das Häus­chen, das wir uns an den Teich stellen wollen, damit wir es gemütlich haben.
„Bernd, kannst du gleich eben helfen?“, ruft er mir zu, als ich am ­Fenster stehe.
„Ja, später! Ich habe Besuch!“
„Ist gut!“, brüllt er gegen den zurrenden Motor.
Ich schließe das Fenster.
Eben noch den Draht der schweren Hornbrille zurechtgebogen – das Kriegskind repariert sie nämlich gerne selber, müssen Sie ­wissen – schon hört man unzählige schrille ‚Jäis!‘ aus dem ­Garten und Papa ist in seinem Element.
„Ding! – Dong!“, es läutet.
Diesmal sind es vier Großnichten und -neffen und zwei weitere ­Kinder, ich denke, ebenfalls irgendwelche Verwandte von mir, allesamt im Vor- und Grundschul­alter. Das strenge Verbot meiner Mama hat sie neugierig gemacht.
„Bernd, dürfen wir reinkommen? Wir sind auch ganz lieb“, fleht eines.
„Na gut. Aber wenn ihr lästig werdet, schicke ich euch zu Oma!“
„Hmm!“, nuscheln sie fast schon gekränkt und huschen auch schon an mir vorüber.
„Wie oft werden eigentlich Eber kastriert?“, interessiert es dann einen Bub, der den Bauern kennt, bei den ‚Jäis!‘ aus dem ­Garten.
„Nur einmal. – Das macht Opa mit der Säge.“
„Opa mit der Säge?!“
Wie flinkeste Wiesel wetzen die Sechs zu den drei Fenstern im Erker, tauchen unter die Gardinen hindurch und blicken, zehenspitz und fenster­bankgestützt, mit gereckten Hälsen durch das Blattwerk der Topfpflanzen hindurch zu Opas kreischender Werkbank.
Selbst meine Gäste hält es nicht in den Sitzen. Aufgesprungen und mit offenen ­Mündern bestaunen sie lustvoll die magischen Künste meines sägenden Vaters und den Forscherdrang der wissbegierigen ­Kinder.

„Ich kann überhaupt nicht kucken!“, entrüstet sich die Jüngste im Bunde; sie ist den Tränen schon nahe.
„Ach, Bernd spinnt! Opa sägt nur Bretter“, beruhigt sie ein Bub.
„Trotzdem! Ich will auch kucken!“, glaubt die Kleine ihm nicht.
Und mit mürrisch verzogenem Gesichtsausdruck empfiehlt sie mir, sie lieber anzuheben, als sieben Tage Regenwetter heraufzubeschwören.
„Zufrieden?!“
„Hmm!“, schmollt sie ziemlich enttäuscht, und ich lasse sie ­wieder zu Boden.
Weil sie nun aber schon mal alle da sind, bedienen sie sich unaufge­fordert der Spiel­karten und verschiedener Utensilien, auch solcher zum Malen, schieben ruckelnd die Stühle am Esstisch zurecht und setzen sich, um kreative Gelüste zu heucheln. Hartnäckig und stur wie die ganze Verwandtschaft pochen sie so auf das ungeschriebene Gesetz der Gastfreundschaft.
Michael, Julian und Rupert scheinen sich nicht im Klaren, ob das nun das Ende bedeutet. Doch mich stören die Kinder nicht. Vielleicht können sie so ja sogar noch was lernen.
„Wo waren wir stehen geblieben?“, frage ich meine besonderen Gäste und setzte mich wieder zu ihnen.
„Deine Freunde im Lokal. – Vertrauen und Geborgenheit. – Freundschaft und Liebe“, erinnert mich Michael fast zaghaft, so, als wäre es mir peinlich.
„Ach ja! – Nun, in den folgenden Monaten spielten wir regelmäßig ­freitags, samstags und sonntags. Und je mehr mein ­Vertrauen wuchs und je mehr Geborgenheit ich empfand, desto mutiger wurde Niekalt.“
„Bernd, wer ist Niekalt?“, will ein Kind wissen.
„Das ist ein kleiner Junge. Ein Freund. Nur so groß wie ’ne ­Flasche.“
„Hä? – Wohnt der hier?“
„Ja. – Aber ihr dürft nun nicht weiter stören. Wir reden. Das seht ihr ja.“
„Hmm?!“, wundert sich die Bagage und schaut sich neugierig an.
Fortan sind sie aber still. Nur manchmal flüstern sie leise mitein­ander.
Diese typisch kindliche Rücksichtnahme aus empfundenem Ver­langen nach Mehr ist mir nur all zugut bekannt. Es ist der Weg zum Verste­hen durch Wissenwollen, und Niekalt lebt ihn bedingungslos.
„Und dann war da ja auch noch diese wunderschöne junge Frau. ­Niekalt nannte sie immer die ‚Musikfrau‘, weil sie im Lokal die Musik machte. Aber sie bediente auch. Auf jeden Fall, an einem Sonntag, wir spielten wieder Karten und ich war etwas ange­säuselt, …“
„Bernd war besoffen!“, albert eines der Kinder, und alle lachen.
„Still jetzt, wir wollen reden!“
Sie verstummen.
Unwillkürlich beginne ich nun, den Sessel hin und her zu drehen, indem ich mit den Füßen gegen den Boden stoße.
„Wisst ihr, Niekalt hatte mir immer gesagt, dass ich mit ihm gehen ­müsste in sein Reich. Wenn ich ihm helfen würde, es zu retten, dann würde ich verstehen, und das wäre Rettung für mich. Auf jeden Fall, damit ich ihn begleiten konnte, musste ich eben Geborgenheit und Liebe empfinden. Nur das würde mir die Kraft geben, das durchzu­stehen, was mir noch bevorstand.
Liebe! – Ich habe lange nicht geglaubt, wie mächtig sie ist.“
Während ich fortfahre berührt es mich, dass alle, besonders die Kinder, erröten. Als ich sie anschaue, tuen sie wie vertieft, pressen die Lippen zusammen oder die Zunge in den einen oder anderen Mundwinkel oder beißen in die hölzerne Ummantelung der Stifte. Dann kritzeln sie ­wieder Kreise und Linien aufs Papier und das Tischtuch oder verbiegen die ­Karten.
„Liebe! – Vertrauen, Freundschaft, Geborgenheit und Liebe! – Das sind die einzig passenden Schlüssel zum Verstehen des Ichs! Ohne sie ist man hoffnungslos überfordert.
Na ja, nun saß ich da also, spielte und trank. Und Niekalt, zu ­diesem Zeitpunkt ahnte ja noch keiner was von ihm, kam auf einmal von der Musikfrau gelaufen, über die gesamte Theke und über den ­Stapel ­Karten hinweg und rief schon von Weitem: ‚Sie mag dich! Sie mag dich!‘
Eine Gänsehaut lief mir da über den Rücken, könnt ihr mir glauben! Und ich wusste sofort: Jetzt oder nie!
Denn darauf hatte Niekalt ja immer gehofft! Immer wieder hatte er mich angefleht, daran zu glauben, dass Liebe der Schlüssel ist.
Schon sprang er mir auf die Brust, krallte sich in mein Haar, Mensch, wie das ziepte! …“, ich greife durch den Pullover hindurch in mein ­Brusthaar und zerre, „… Und rief: ‚Los, ­verlieb dich! Verlieb dich! Verlieb dich, du Idiot!‘ Und mit der einen Hand rieb er mir den Glauben an die Nase, bis sie ganz krumm war. – So! – Und jeder konnte das sehen!“
Dem Kind mit den gebogenen Karten, es lümmelt ganz hinten am Esstisch, federn diese nun sprunghaft aus den Händen über den Tisch in das Zimmer hinein.
„Pscht!“, erregt das sofort die Gemüter der anderen.
Und hilfsbereit, wie Kinder nun eben mal sind, helfen die vorderen ge­schwind dem Unglücksraben, der ihre Anwesenheit gefährdet.
„Und er war ganz aufgeregt! Und er zitterte! Und immer schaute er zu ihr, dass sie mich auch sah! Und er wollte es unbedingt! Und er hatte doch ­solche Angst, es wäre unsere letzte Gelegenheit! Und er glaubte doch fest daran! Und ich konnte ihn doch nicht im Stich ­lassen! Und deshalb tat
ich ’s! – Mensch, war ich verliebt!“
Ich bin völlig außer Atem, mir ist brüllend heiß.
Es ist doch immer wieder beeindruckend, wie sehr ich mich in bekannte Gefühle vertiefe, wenn ich sie mir nur richtig vor Augen führe.
Meine besonderen Gäste wirken indes sprachlos aber erleichtert, die Kinder ungläubig und ein wenig erschrocken. Und es ist mir noch nicht einmal aufgefallen, dass ich aufgesprungen war, und dass ich nun, federnd in den Kniegelenken und mit Schwung die Arme gebeugt und die Fäuste geballt, wie ein Tennisstar dastehe, dem es gelungen ist, ein fast schon verloren geglaubtes Spiel wieder spannend zu ge­stalten.
„Ich war fix und fertig, könnt ihr mir glauben. Mensch, war ich be­rauscht. – Und wie verliebt!“
Die Kinder wagen ein schüchternes Lächeln.
Für einen kurzen Augenblick trauen sie sich sogar, mir in die Augen zu schauen. Dann widmen sie sich wieder, schweigsam wie wachsendes Gras und als interessiere es sie überhaupt nicht, ihren vorgetäuschten Kunst­gelüsten.
„Ich fühlte mich, als hätte ich kein Skelett mehr. Ich fiel einfach in mich zusammen. Das war, als schmeißt man einen Klumpen rohes Fleisch auf den Tisch, …“ – die Kinder vermuten den Klumpen auf ihrem Tisch –
„… der dann einfach in sich zusammenfällt. Irgendwie glaubte ich sogar,
zu schweben. Über den Köpfen meiner Freunde hinweg, und innerlich winkte ich ihnen zu. – Wahnsinn!“
Endlich sinke ich wieder in den Sessel hinein.
„Natürlich ließ ich mir das nicht anmerken. Meine Mitspieler links und rechts hielten mich nur eben fest, damit ich nicht vom Hocker glitt, und jemand hielt meine Hand und säuselte: ‚Oh Gott, Bernd!…‘“, – die Kinder grunzen in ihre fehlenden Bärte, eines ­flüstert ganz aufgeregt: „Das war Mama!“ –, „… Doch ich glaube, sie haben es gar nicht richtig verstanden.
Nur mit dem ­Kartenspiel war es vorbei. Aber ich hatte sowieso keine Lust mehr. Die fielen mir doch nur auf den Boden.“
Ich denke noch einmal nach: „Doch, ja, da lagen sie. – Wein? Ich habe da einen trockenen ­Italiener, wenn ihr mögt.“

Ohne dass sie Antwort geben, sie wirken nur reichlich überrascht von ­meinem unvermutet unterbreiteten Angebot, besorge ich eine Flasche aus dem Getränkefach im Wandschrank sowie vier Gläser und den ­Öffner.
Mir ist feierlich zumute.
Ich habe das Gefühl, ruhige Musik würde der spätnachmittäg­lichen Atmo­sphäre Würde verleihen. Also krame ich, nachdem ich uns Vieren eingeschenkt habe, im durcheinandergewürfelten Stapel von CDs auf der ­Stereoanlage unter der Treppe. Und während der nächsten sieben­und­fünfzig Minuten begleiten uns leise und Erinnerungen we­ckend Reinhard Meys Überlegungen zu Luthers gepflanztem Apfelbäumchen. Hoimars stehen indes abgegriffen im Regal. Die schrillen ‚Jäis!“ aus dem Garten haben inzwischen auch aufgehört.
„Kannst du das genauer beschreiben? Das muss doch mehr gewesen sein, als nur ein Klumpen rohes Fleisch“, meint ­Julian, sobald ich mein Prozedere beendet und wieder Platz genommen habe.
„Ja, bestimmt! Es war, als machten meine Gedanken kehrt, indem sie aller Peinlichkeit in mir abschworen. Ich weiß, das ist schwer zu verstehen, aber nichts war mir mehr peinlich. Ich schämte mich nicht dafür, mir helfen zu lassen, ja, noch nicht einmal dafür, dass ich mich für nichts mehr schämte.“
„Paradox!“, sieht Rupert.
„Aber da waren ja meine Freunde, die ehrlich zur Kenntnis ­nahmen, dass es gut für mich war. Und das war das Einzige, das zählte.“
Ich grübele: „Irgendwie schienen meine Sinne kehrt zu machen und in neue, mir völlig unbekannte ­Galaxien aufzubrechen, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat. – Wahnsinn! – Das habe ich doch schon mal irgendwo gehört.“
Ich stoße mit meinen Gästen an.
„Und damit das Ganze nicht unkontrolliert in einer Katastrophe enden würde, behüteten und beschützten es meine Freunde unter den Fittichen ihrer geschenkten Geborgenheit und Liebe. – Das ist doch ­verrückt, nicht wahr?!“
„Nein, das ist nicht verrückt! Aber du warst doch verlie-hiebt“, säuselt ­Julian.
„Ja, und wie! Es war einfach zauberhaft! Und doch hatte ich das Gefühl, dass das, was mir nun bevorstand, meine ganze Konzentration und ­Aufmerksamkeit verlangte. Wie sollte ich sie für mich gewinnen und ­gleichzeitig dieses Abenteuer bestehen? Wie sollte ich es ihr überhaupt erklären?
Wisst ihr, ich erlebte einen Gefühls­taumel zauberhaftester Art. Sagen wir mal, auf der Gefühlsskala bei siedenden hundert Grad. Eine Ent­täuschung hätte sicherlich die Gefühle im Nu ins absolute Gegenteil verkehrt, also auf minus hundert Grad. Die Konsequenzen wären unabsehbar gewesen. Nennt es Vorsicht oder Angst oder Feigheit, egal. Auf jeden Fall schien es mir viel zu gefährlich, das Risiko einer Beziehung einzugehen, die auf ­wackeligen, weil unverstandenen Beinen stand. Sie wuss­te ja nicht, was mit mir los war, und ich begriff es selber noch nicht einmal.“

„Bernd, dürfen wir ein bisschen nach oben?“, stammelt eines der ­Kinder.
Unbemerkt kam es zu mir geschlichen und stützt sich nun mit den ­Händen auf meine Schenkel, während es nervös und mit tiefrotem Gesicht von dem einen Bein auf das andere hüpft. Meine blumigen Worte haben sie wohl alle ein wenig er­schreckt. Jedenfalls zieht es sie nun aus unserem Blickfeld ­heraus. Aber wirklich verlassen wollen sie uns nicht.
Bernard Glasa
Foren-Newbie
Foren-Newbie
 
Beiträge: 41
Registriert: 10.02.2014

Re: Märchenforschung

Beitragvon Bernard Glasa am So 9. Mär 2014, 12:33

Es geht ohne Schnitt weiter:

„Meinetwegen. Aber bringt nicht alles durcheinander!“
„Nö, wir wollen bloß spielen.“
Sie stürmen nach oben. Sie wissen, wo sie spielen dürfen.
Türen knarren im Ober­geschoss, aber man hört nicht, dass sie wieder geschlossen werden. Dann ist es auffallend still. Nur machmal dringt ein ­aufgeweckt interessiertes ­Murmeln hinunter, das gleich wieder verstummt, sobald ich meinen Bericht fortsetze.
„Was meinte Niekalt denn dazu?“, fragt Michael.
„Was so was anging, war er die Besonnenheit in Person. Er pflichtete mir bei.“
„Und was geschah weiter?“, fragt Julian.
„Nun, als wir wieder zu Hause waren, ruhte ich mich erst einmal aus. Ich fühlte mich zwar zauberhaft, trotzdem empfand ich es auch als beängstigend. Und ich wollte mich erst einmal in aller Ruhe an das gewöhnen, was sich nun in mir tat.
Niekalt erklärte mir schon mal, was mir weiter bevorstehen würde. Sein Leitfaden war die ‚unendliche Geschichte‘.
Nachdem ich also meine eigene Aufgeschlossenheit, Ehrlichkeit und Liebe, also ihn, zur Kenntnis genommen und aller Peinlichkeit in mir abgeschworen hatte, nachdem ich also bereit war, tabulos ehrlich zu mir selber zu sein, hatte ich das Tor zu seinem Reich geöffnet, das das Reich meiner eigenen Gefühle war. Und das galt es nun zu erforschen, indem ich es erlitt, um es zu verstehen. – Ganz schön kompliziert, nicht wahr. – Und alles dort wäre, wie ich es zuließ, meinte Niekalt.“

„Wieso ist alles dort, wie du es zulässt?“, fragt Rupert.
„Hm?! – Zum einen meinte er damit, dass die geweckten Gefühle in mir durch meine eigene Phantasie Gesicht und Name erhalten würden, wenn ich es nur zuließ. Zum anderen war er überzeugt, dass ich, ohne mir dessen bewusst zu sein, das Falsche zuließ, weil ich das Falsche glaubte oder, wider meinem Glauben, das Falsche lebte. Deshalb hatte er auch ein Symbol des Glaubens von mir gefordert, als er in mein Leben trat. Einfach, um mir klar zu machen, dass Glaube von Nöten ist, auch wenn sich sein Wesen noch meiner Erkenntnis entzog und ich ihn noch nicht einmal beschreiben konnte. Doch das würde sich noch ändern. Denn der Weg, den zu gehen er eingeleitet hatte, würde ihn definieren. Nur damals ahnte ich noch nichts davon.“
Oben schleichendes Tapsen aus den Zimmern zur Galerie hin. Meine Gäste blicken nachdenklich in ihre eigenen inneren ­Reiche. Julian macht eine kurze Notiz mit dem Kuli auf einem leeren ­Kuvert. Beides verschwindet dann wieder in den Taschen seiner Jacke.
„Seid ihr noch in jener Nacht aufgebrochen?“, fragt Michael.
„Ja. Aber erst weit nach Mitternacht. – Die Sonne geht schon unter. Ich mache mal Licht. Wenn es nicht stört, schalte ich das Licht oben im Flur an. Das gibt eine schöne, schummrige Atmosphäre, wenn es den Schatten des Geländers in den Raum wirft.“
Ich schreite zum Schalter bei der Treppe.
Die Kinder stehen sich gegenseitig im Wege, als es sie zu­nächst hastig in die Räume, dann zaghaft zurück auf den Flur zieht.
„Ding! – Dong!“, es läutet.
Die Mutter zweier der Kinder steht vor der Tür.
„Hier! – Wir waren gerade bei Oma und Opa. Ich habe gehört, du hast Besuch. Ich habe ein paar Käsehäppchen gemacht mit Schinkenröllchen und Obst.“
Sie reicht mir einen großen Fleischteller.
„Danke! Das passt ja gut zu unserem Wein.“
„Das habe ich mir wohl gedacht. – Sind die Kinder hier?“
„Ja, die spielen oben.“
Wir hören ihr entsetztes Schweigen.
„Stören sie nicht?“
„Nein, sie sind ganz lieb.“
„Sonst musst du sie schicken. – Stören sie wirklich nicht?“
„Nein. Aber wenn, dann werde ich sie schicken.“
„Also gut. So, ich geh’ dann mal wieder.“
„Nochmals: Danke!“
Ich stelle den Teller auf den Tisch.
Die Sonne verschwindet inzwischen hinter den Bäumen des Gehöfts ­jenseits des ­Gartens.
Eigentlich ist es für Anfang Februar viel zu warm, aber die Abende sind ­lausig kalt. Deshalb drehe ich die Heizung höher. Das Anspringen der ­Therme oben im Bad erschreckt noch einmal die Kinder.
„Wie war das denn, als du zum ersten Mal bewusst das Reich ­deiner ­Träume besuchtest?“, fragt Julian.
„Oh, das war zauberhaft!“
Angetan von der Erinnerung ziehe ich es nun sogar vor, im Freiraum des Zimmers auf und ab zu spazieren.
„In weiser Voraussicht hatte Niekalt für mich den Ort meiner Ankunft bestimmt. Es war das ‚Tal des gedankenlosen Friedens‘. Nur durch ihn konnte ich es überhaupt erreichen. Und er, als wäre ich jetzt sein leib­licher Vater, reichte mir schon fast bis zur Brust.

Wir sprachen kein Wort miteinander. Fröhlich lächelnd, weil sorgenfrei glücklich, entließen wir unsere Füße ins samtweiche Gras und durchstreiften barfuß und eng beieinander und völlig unbeschwert ein friedliches Landschaftsidyll, das in allen Himmels­richtungen bis an den ­Horizont reichte. Es war ein wahrer Garten Eden. Saftiges Gras, Blütenmeere, Buschwerk, Sträucher, Bauminseln, Haine und Wälder, so weit das Auge reichte. Alles stand in pracht­vollster Blüte. Kein Strauch und kein Baum, dessen Reichtum an Früchten nicht zum Probieren einlud.
Himbeeren und Brombeeren. Hm! – Wilde Erdbeeren, Kirschen. Hmm! – Äpfel, Birnen, Pflaumen und Nüsse! – Oh, wie das schmeckte! Und wie bekömmlich sie waren.
Aber auch Tiere gab es in Hülle und Fülle. Hasen und Igel, ­Füchse und Rehe, Dachse und ­Marder, Hörnchen und Hamster, die verschieden­artigsten Vögel vom Sänger bis zum Greif. Und streicheln ließen sie sich alle.
Nachtigallen sangen von meinen Schultern ihre lieblichen ­Lie­der, Finken und Meisen pickten verspielt nach den Stoppeln auf Backe und Kinn, und ein Feldschwirl schwirrte in meine geöffnete Hand, um die Haare zu ­sammeln, die aus dem Fell meines Hundes dort hängen geblieben waren. Von einem hohen Ast eines Haselnussstrauches aus glitt sogar noch ein Eichhörnchen auf meinen geschorenen Kopf. – Ja! – Angelockt von den Beeren, die ich als Belohnung dort abgelegt hatte, tat es sich überhaupt keinen Zwang an und kribbel-krabbelte mir über den Schädel, über Nase und Ohren und ­Lippen und Kinn bis zum Ausschnitt des Hemdes, um dann kopf­über die Nüsse zu stehlen, die in meiner Brust­tasche steckten.
– ­Niekalt hatte mir nämlich gezeigt, wie das geht!
Natürlich war es ein Frühsommermorgen unter strahlendstem Himmelblau. Die Luft begann gerade, sich mit den lieblichen Düften der Blüten zu füllen, und von den Blättern der beschatteten Gewächse perlte noch der nächt­liche Tau. Wo aber die goldgelbe Sonne hin schien, da war schon die wohligste Wärme.
Niekalt und ich, das Staunen hatte uns bald schläfrig gemacht, wir legten uns Zehen an Zehen zwischen Margeriten und ­Gän­se­blüm­chen, Glockenblumen, Waldmeister und Veilchen, um mit offenen Augen zu träumen. Niekalt schlief dann bald ein.
Dann kamen auf einmal ganz seltsame Wesen zu uns. Die kamen aber nicht aus dem Gras oder aus den Büschen oder aus den Kronen der Bäume, nein, sie schwebten von Anfang an über uns und tauchten, wie Elfen, die ihr kostbarstes Geheimnis preisgeben, einfach nur aus der Unsichtbarkeit. Mit ihnen be­gan­nen auch diese sonderbaren, wundersam zärtlichen Geräusche. Brummelndes Summen, begleitet von gehauchtem Stimmengemurmel, das wie aus weiter Ferne zu einem dringt und die Nähe von freundlich gesinnten, sich kümmernden ­Ver­trau­ten verrät.

Es waren schneeweiße Hummeln, nur um ein Vielfaches größer, und schwirrend und taumelnd, als wollten sie mir so etwas mitteilen. Mal brummten sie ein Stück weit davon, dann machten sie kehrt und ließen sich fallen, bis sie die Spitze meiner Nase berührten. Es schien fast, als sollte ich ihnen folgen und mit ihnen schweben, wie schon Niekalt zuvor.
Und mit offenem Herzen und dem Willen danach gelang es mir auch.
Als lösten sich spontan und durch den Glauben daran meine Empfindungen vom grübelnden Denken, sank mein Körper in einen tiefen und doch wachsamen Schlaf, und mein Fühlen erhob sich wie ein steigender Heißluftballon und gedankenlos frei in die Lüfte. Ich sah mich ­selber am Boden liegen und gleichzeitig von dort aus schwebend inmitten ­dieser Schar mich munter belebender Insekten. Und als nähme mein Fühlen noch meine Sinne ins Schlepptau, glitt ich schwere- und widerstandslos über die Weiten der ­Blumen und Gräser hinweg, bis hoch oben in die Wipfel der Bäume.
Ich flog mit den Vögeln zu ihren Höhlen und Nestern, verfolgte Käfer und Mäuse durch einen Urwald aus stämmigen Halmen. Einer Eule sah ich bei ihrem Nickerchen zu, einem Specht beim Zimmern der Höhle, und mit den Schmetterlingen zog es mich zu den Röhren und Glocken und Kelchen der blühenden Pflanzen. – Ja, so war das. – Ein grenzenloser Zauberrausch!“
„Hm! Bezaubernd!“ – „Schön!“ – „Wahrlich, so ist es!“, flüstern meine ­wissenden Gäste angetan erinnert in die unsichtbaren Blumen ihrer ­Kelche hinein.
„Zauberkunst vom Allerfeinsten, das Ganze. – Eine Offenbarung wahren Glücks. – Ich war überwältigt! – Sprachlos! – Dem Draußen vollends entrückt! – So ­was erlebt man nur in den wahrhaftigsten Märchen.“
Die Kinder, noch stehen sie, haben sich längst zwei Stufen weit die Treppe hinunter gewagt.
„Als es mich wieder zurückzog in meinen ruhenden Körper, als ich zurückkehrte in mein bewusst fühlendes Ich, da erwachte ich langsam, ganz langsam und mit trocken geatmetem, offenen Mund aus diesem himmlischsten aller Träume. Erst ein unwillkürliches Zucken im äußers­ten Finger geöffneter Hand ließ mich überhaupt mein Wach­sein erkennen. Und wie man behutsam den Vorhang am ­Fenster des Schlaf­zimmers hebt, um die Sonne zu grüßen, die den Morgen bescheint, so öffnete ich dann meine Lider.
Der Zauber der brummelnden, schneeweißen Polarhummeln war aus.“
Bis in die Tiefen der Seele zufrieden und glücklich, sinke ich in ­meinen ­Sessel hinein.
„Und als ich da so lag und die Nachwirkungen des gedankenlos erlebten Friedens genoss, da fragte Niekalt mich leise, was für mich das Wichtigste war, das ich gestern erlebt hatte.
Und ganz spontan antwortete ich: ‚Das war, dass man ehrlich zur Kenntnis nahm, das ich leide.‘
Und dann passierte da schon wieder was.
Zuerst war es nur ein unscheinbares Knacken in einem dichten Hain ­eng stehender ­Birken hinter mir, das mich aber erst aufschrecken ließ, als ich es ein zweites Mal hörte. Da klang es nämlich schon lauter und von wesentlich näher, und irgendwas kam wohl behäbig raschelnd von hinter mir auf uns zu.
Aufgeschreckt schaute ich Niekalt in sein staunendes, froh­lo­cken­des Gesicht. Mit offenem Mund und aufgerissenen Au­gen, mit freudig kraus­gezogener Stirn und aufgeregt blähender Nase schaute er gebannt auf ein spaßiges Etwas, das sich wohl schon dicht hinter mir am Boden befand. Natürlich muss­te ich das unbedingt auch sehen!
Also drehte ich mich langsam herum, damit ich es nicht unbedacht ­verscheuchte, und schielte auf das, was Niekalts Aufmerksamkeit ganz und gar in seinen Bann gezogen hatte.
Und da hüpfte doch tatsächlich ein dickbäuchiger Kobold, der noch kleiner war als der Kopf einer Katze, und den man nur vermuten konnte unter der wallenden Pracht seiner wippenden, grasgrünen Haare, im Rhythmus des Rufs, den der Kuckuck gerade von meiner Fußspitze ausstieß, vor einem Hügelchen aufgetürmter Kieselchen, im Schatten einer mächtigen Birke ganz aufgeregt auf und ab. Neben ihm standen seine niedlichen Kinder. Drei Stück an der Zahl, allesamt wesentlich kleiner als er, splitter­fasernackt und absolut regungslos und mit ­Schädeln, die wie glattpoliert glänzten.
Dann begannen auf einmal die ­Kiesel zu beben.
‚Halt‘, dachte ich, ‚da braucht jemand Hilfe!‘
Also hob ich schmunzelnd die Kiesel empor, denn ich vermutete wei­tere freundliche Gestalten, vielleicht verschüttet durch eigene Unachtsamkeit, unter dem klimpernden Haufen.
Aber es gelang mir nicht! Mir fehlte einfach die Kraft, diese schweren, geldstückgroßen Kieselchen vom Hügelchen zu he­ben!
Dann kam ganz unerwartet eine zweite Familie dazu, die genauso war, wie die erste, nur anders herum und ohne, dass der Vater gleich hüpfte. Aber diese Kobolde kamen nicht einzeln, nicht hintereinander, nicht nacheinander, nein, sie stießen gleichzeitig und in einem einzigen Stück und von oben dazu, und das kieselige Hügelchen und die mächtige Birke brachten sie auch gleich mit! Und da kam mir doch plötzlich die Erleuchtung!“
Stufe drei. – Die Kinder zieht es weiter hinab.
Rupert lacht herzhaft: „Was war das denn bloß?“
„Das waren nur Füße!“, erklär ich ihm leise.
Stufe vier. – Zwei der Kinder setzen sich darauf, wir können ihre Beinchen schon sehen.
„Das Ding war in Wirklichkeit tausendmal größer! Und eigentlich waren es zwei!“
Stufe fünf. – Ein weiteres Pärchen rückt nach.
Bernard Glasa
Foren-Newbie
Foren-Newbie
 
Beiträge: 41
Registriert: 10.02.2014

Re: Märchenforschung

Beitragvon Sonnenschein am So 9. Mär 2014, 14:40

Ich verstehe immer noch nicht um was es hier eigentlich konkret gehen soll?
Je mehr der Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen.
Arthur Schopenhauer
Benutzeravatar
Sonnenschein
Ex-Mod
Ex-Mod
 
Beiträge: 11773
Registriert: 13.04.2010

Re: Märchenforschung

Beitragvon manniro am So 9. Mär 2014, 14:52

Um jemanden, der sich keinen eigenen Server leisten kann und kostenlos Werbung für sich machen möchte. So lange er nicht lästig wird, sollte man ihn aus Gründen unchristlicher Nächstenliebe gewähren lassen, aber das muß der Seitenbetreiber entscheiden. :wink:

manniro
Am Anfang war das Wort - am Ende die Phrase.(Lec).
Benutzeravatar
manniro
Foren-Legende
Foren-Legende
 
Beiträge: 12571
Registriert: 04.04.2006

Re: Märchenforschung

Beitragvon Sonnenschein am So 9. Mär 2014, 14:57

Aber ich verstehe die Kurzbeschreibung auf amazon ja schon nicht.

Kurzbeschreibung
Traumabewältigung in Märchenform

Die Geschichte ergänzt in völlig eigenständiger Weise die Erkenntnisse, die durch Michael Endes "Unendliche Geschichte" gewonnen wurden.
Das Kind, das im Buch seine eigene Geschichte liest. Ein Buch, das sich beim Lesen selber schreibt.
Löst man die Metaphorik auf, dann macht Bastian etwas, das so ist, wie das Lesen in einem Buch, das sich beim Lesen selber schreibt.
Er nimmt das Wissen um seine Gefühle zur Kenntnis, er knuddelt und er kuschelt es und lässt zu, dass es ihn ein Stück weit davon trägt.
Meine Geschichte beschreibt metaphorisch die emotionalen Vorgänge und Abläufe, die dabei geschehen an meinem persönlichen, eigenen Beispiel.
Ursache meines Traumas war der Tod meines Zwillings im Kindesalter. Als ich mich Jahrzehnte später diesem Trauma stellte, erlebte ich über Jahre hinweg emotionale Zustände, dessen Beschreibung zwangsläufig zur Entstehung eines Märchens führten. Wissen um Gefühle ist dieses Märchen. Indem ich jedoch Vorgänge und Abläufe aus dem Unterbewussten nicht nur künstlerisch beschreibe, sondern auch definiere, mache ich mein Märchen überprüfbar.
Es ist pazifistisch und wirbt für Toleranz.


http://www.amazon.de/Wissen-um-Gef%C3%B ... hologie%29

Kann mir das jemand übersetzen :?:
Je mehr der Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen.
Arthur Schopenhauer
Benutzeravatar
Sonnenschein
Ex-Mod
Ex-Mod
 
Beiträge: 11773
Registriert: 13.04.2010

Re: Märchenforschung

Beitragvon manniro am So 9. Mär 2014, 15:06

Klar doch. :D

Es handelt sich um das Ringen um Bedeutung in Form einer zielgruppenbezogenen Werbebotschaft, die sich ersichtlich nicht an die Fans von Ballerspielen, sondern an esoterisch-mystisch angehauchte Hobbypsycholgen mit Hang zu alternativen Therapieformen wendet.

Erhellend in diesem Zusammenhang:

Das Kind, das im Buch seine eigene Geschichte liest. Ein Buch, das sich beim Lesen selber schreibt.
Diese "Metapher" wird "aufgelöst" in:
Löst man die Metaphorik auf, dann macht Bastian etwas, das so ist, wie das Lesen in einem Buch, das sich beim Lesen selber schreibt.


...ist also ihre eigene Erklärung.

Wenn das mal nicht schwer mysteriös ist... 8)

manniro
Am Anfang war das Wort - am Ende die Phrase.(Lec).
Benutzeravatar
manniro
Foren-Legende
Foren-Legende
 
Beiträge: 12571
Registriert: 04.04.2006

Re: Märchenforschung

Beitragvon Sonnenschein am So 9. Mär 2014, 15:22

Verstehe ich nicht. Aber trotzdem herzlichen Dank für deinen Versuch! :)
Je mehr der Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen.
Arthur Schopenhauer
Benutzeravatar
Sonnenschein
Ex-Mod
Ex-Mod
 
Beiträge: 11773
Registriert: 13.04.2010

Re: Märchenforschung

Beitragvon Koma am So 9. Mär 2014, 19:38

Ich bin mir jetzt nicht sicher ob ich dafür Schämen muss, aber mir geht es gleich Sonnenschein. :?
Alles was ich da lese ist blablabla.... :|
Meine Problemzone sitzt wenigsten nicht hinter der Stirn!
Benutzeravatar
Koma
Foren-Weise
Foren-Weise
 
Beiträge: 3883
Registriert: 25.06.2008
Wohnort: Planet Erde

Re: Märchenforschung

Beitragvon manniro am So 9. Mär 2014, 19:43

Sonnenschein hat geschrieben:Verstehe ich nicht. Aber trotzdem herzlichen Dank für deinen Versuch! :)


"Fischen im Trüben" sagt euch versprengten Bergvölkern dann wohl auch nichts, oder? :lol:

manniro
Am Anfang war das Wort - am Ende die Phrase.(Lec).
Benutzeravatar
manniro
Foren-Legende
Foren-Legende
 
Beiträge: 12571
Registriert: 04.04.2006

Re: Märchenforschung

Beitragvon Koma am So 9. Mär 2014, 20:16

Das nennt man Selbstzweifel, an und für sich eine gute Sache. Man denkt immer, villeicht ist unter all diesen schlauen Wörtern, doch was darunter, dass du selbt gar nicht schnallst!
Aber wie so oft, ist da nur heisse Luft.
Wie auch immer, Danke. 8)
Meine Problemzone sitzt wenigsten nicht hinter der Stirn!
Benutzeravatar
Koma
Foren-Weise
Foren-Weise
 
Beiträge: 3883
Registriert: 25.06.2008
Wohnort: Planet Erde

Re: Märchenforschung

Beitragvon Bernard Glasa am Mi 26. Mär 2014, 18:12

Weiter ohne Schnitt:
„Entsetzlich erschrocken von den gigantischen Ausmaßen dieser mir völlig unbekannten Wald- und Wiesen-Riesenunge­heuer duckte ich mich so weit nach vorn, dass die Wirbel schon knackten! Und Niekalt, der einfach nur glupschte und glotzte und gnies­te, beschwor ich, diese Dinger nicht auch noch mit Faxen zu reizen!
Aber da war es schon zu spät!
Wie fleischfressende Saurier, die schmackhafte Beute be­schnüf­feln, sogen diese Ungetüme das verführerisch fette Aro­ma aus dem Schweiß meines Nackens heraus und in ihre offenen Nasen und Kehlen hinein! Mit rauscharfer Zunge ­beleckte das eine mein Haar, um gleich da­rauf mit fleischigen Lippen daran zu zupfen! Das an­dere umschlang im ­gleichen Moment mein knusprig knackiges Knochengenick und lutschte es, nein, knutschte es schmatzend ab!
‚Hmmp!‘, machte es! Und eine ­würzige Tunke und Schwitze floss mir den eiskalten Rücken ­hinunter!
Nur noch einen einzigen Augenblick, da war ich mir sicher, und sie ­würden mich heben und schmeißen! Dann noch im Blut­rausch auseinandergepflückt, zerrissen, zerbissen, zerteilt, wä­ren die beiden ja noch nicht einmal satt!

Doch dann kam es ganz anders!
‚Bumm! Bumm!‘, stampfte es erst links neben mir, ‚Bumm! Bumm!‘, stampfte es auch schon rechts.
Und schon waren beide bei Niekalt!
Fest entschlossen, das arme, wehrlose Kind aus den wilden Klauen ­dieser feigen ­Kreaturen zu befreien, hielt es mich nicht mehr am Boden! Ich sprang auf! …“, – ich springe auf – zwei weit ­vorgebeugte Gesichter lugen mit großen Augen zwischen den Geländerstäben hindurch, zwei weitere versuchen verzweifelt auf ähnliche Weise einen Weg an den Köpfen der vorderen ­vorbei zu finden, die beiden letzten oben auf dem Flur fordern eindringlichst „Rückt weiter! Los!“, bis alle Sitzplatz gefunden haben – „…Ich schlug auf sie ein! Ich brüllte sie an, als wäre ich ein hun­griger Löwe! – ‚Guarr! – Buarr! – Huarr!‘
‚Was hast du gemacht!‘, schrie dann Niekalt entsetzt, und ich hörte ein ­brechendes Knacken – ‚Knack!‘
‚Jetzt haben sie ihn!‘, war ich fest überzeugt!“
Erschöpft sinke ich in den Sessel hinein und blicke starr in die Leere des Zimmers.
„Mein Gott, was hatte ich mir nur dabei gedacht?! – Entsetzlich! – Grauenhaft! – Innerlich flehte ich um Verzeihung und Gnade! – Das hatte ich doch nicht gewollt!“
Ich schaue zu meinen besonderen Gästen, und ihre Gesichter verraten, wie gerne sie mir doch verzeihen würden, wenn sie nur ­wüssten, was.
„Es war, als hätte ich Kindern den Glauben an die Liebe ihrer Eltern geraubt.
Mensch, wie ich mich schämte!
‚Bernd, was machst du denn!‘, hörte ich Niekalts Stimme er­tönen.
Gott sei Dank, er lebte! Aber diese riesigen Dinger heulten auf ­einmal drauf los, als hätte ich sie zum Spaß mit Knüppeln in einen dunklen ­Keller geprügelt!
‚Puh!‘, machten sie erst, dann flennten sie: ‚Puhuhu! Puhuhu!‘
Schon fielen sie sich in die Arme vor Schreck über das fürchterliche Schauspiel, das ich ihnen vorgemacht hatte. Und das Knacken, das ich gehört hatte, das war doch nur das Platzen ihrer Haut“, ich deute mir selber auf die Schulter, „weil sie doch dachten, ich wollte sie fressen.
Gleich nahm sich Niekalt ihrer an, streichelte sie und knuddelte sie und sprach mit ihnen, wie mit kleinen, verängstigten ­Kindern.
‚Ja, ja, ja, meine Lieben, er ist doch bloß ein Mensch. Er weiß es doch nicht besser. Pischi! Pischi! Puschi!‘, machte er.
Dann drückte er sie ganz fest, gaanz fest, gaaanz fest, damit sie uns wieder vertrauten.
‚Bernd, du Töffel! Siehst du denn nicht, wie zerbrechlich sie sind? So darfst du doch mit ihnen nicht umgehen!‘, beschimpfte er mich.
‚Ja, meine Kleinen, er ist doch noch soo dumm! Er muss doch noch sooo viel lernen!‘, knuddelte er mit ihnen.
Und mich schaute er immerzu an, als hätte ich ihm wieder seinen Glauben geklaut.
‚Wer sind sie denn?‘, fragte ich ihn.
‚Das musst du doch wissen! Nur weil du es zuließest sind sie doch überhaupt da.‘
Aber ich verstand es noch nicht.
‚Sie sind das Wissen um deine Gefühle!‘
‚Keine Menschenfresser?‘
‚Nein, du Dummkopf! – Nein, ihr seid aber süß! Oh, wie schön ihr doch seid! Und wie lieb! – Pischi! Pischi! Puschi! – Oh, wie lieb ich euch doch habe! Und er hat euch auch gaanz lieb. Er weiß es nur noch nicht. – Los, Bernd, knuddel die beiden und kuschel mit ihnen!‘
Und dann machte ich es eben, wie Niekalt es vormachte. Erst bat ich sie ganz lieb um Ver­zeihung, dann knuddelte ich sie und kuschelte mit ihnen und sprach mit ihnen, wie mit ganz kleinen ­Kindern.
Und genauso sehen die Dinger eigentlich auch aus: Wie ganz kleine Babys!
Sie sind so groß! …“, – ich erhebe mich prompt und recke den Arm empor, so weit ich es kann – die vorderen Kinder auf den unteren ­Stufen rutschen geschwind noch weiter hinab, lugen, indem sie sich am Handlauf des Geländers hochhieven, mit lang vorgereckten Hälsen zwischen Geländer und Zwischendecke hindurch, „Bis zur Decke!“, tuscheln sie geschwind zu ihren Komplizen, die nicht so gut oder gar nicht sehen können – „… Aber sie sind absolut harmlos. Denn was ich zunächst für ein wütendes Ungeheuer hielt, das war doch in Wirklichkeit nur ein scheues Geschöpf, das sich daran erfreute, dass ich es zuließ.
Denn es war immer schon da! – Nur sah ich es nie! – Und es war, was ich zuließ, weil ich es zuließ: Das Wissen um meine Gefühle!“
„Das ist ja zauberhaft! Aber wusstest du auch, was das wirklich bedeutet?“, fragt ­Michael.
„Ja, langsam begriff ich. Wenn man das Wissen um seine Gefühle zur Kenntnis nimmt, wenn man es knuddelt und kuschelt und wenn man zulässt, dass es einen davonträgt, dann nimmt man durch es seine Gefühle zur Kenntnis.“
„Also habt ihr sie geritten!“, wippt Rupert ganz aufgeregt in der Couch auf und ab.
„Ja!“
Stufe neun, den Viertelschwung erreicht. – Zwölf glupschende Augen glänzen wie knackiges Obst.
„Nachdem sie sich beruhigt hatten und als sie mir wieder ver­trauten, ließen sie uns auf sich reiten. Das war vielleicht ein Spaß! Und wie glücklich sie das machte, wenn man sie ritt. Dann hüpften sie und tanzten und tollten. Ach, wenn ihr das doch nur gesehen hättet!“
Um allen wenigstens einen Hauch von Vorstellung von den sagenhaft berauschenden Turbulenzen zu vermitteln, ahme ich es nach: Ich hüpfe und tanze und tolle.
„Wie sahen sie denn aus?“, muss Michael wissen.
„Ach, das kann man gar nicht beschreiben!“
Ich mache eine kurze Pause, um sie mir selber ins Gedächtnis zu rufen. Ein paar Schlückchen vom Wein helfen dabei. Doch die Kinder, als ­bangen sie um ihr Recht auf eine genaue Beschreibung, pressen ihre Gesichter fest an die Stäbe und glotzen mich mahnend an.
„Sie sind zwar riesig und mit wabbernden Bäuchen und speckigen Armen und Beinen, aber sie haben die ausdrucksstarken Gesichter von Äffchen oder Kindern, die zum ersten Mal den Zauber des Staunens erfahren. Ihr Anteilnehmen, ihr Wundern, ihr Lernen und ­Verstehen und ihre natürliche Freude daran vermitteln sie damit auf sympathischste Weise.
Ihr werdet verblüfft sein!
Bernard Glasa
Foren-Newbie
Foren-Newbie
 
Beiträge: 41
Registriert: 10.02.2014

Re: Märchenforschung

Beitragvon Bernard Glasa am Mi 26. Mär 2014, 18:13

Hier nun der Schnitt.
Mit Hilfe des Konstrukts einer erdachten Geschichte, die wie beschrieben garantiert niemals stattgefunden hat, werden verschiedene Aspekte eines erlebten Märchens (Traumabewältigung) in die Geschichte eingeführt. Figuren, dessen emotionale Umschreibungen sich auf reale Personen beziehen, finden Einzug und dienen im weiteren Verlauf, der Erzählung einen Bezug zur Realität zu verpassen, Verbundenheit und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, hilfreich und beratend zur Seite zu stehen, die logische Abfolge weiter zu spinnen aber auch Witz und Spannung zu verbreiten.
Das In-mir-Kind hat längst seinen festen Platz eingenommen und auch das Wissen um Gefühle ist eingeführt und wird als intellektueller Bestandteil menschlichen Geistes phantasievoll etabliert. Der abrupt bewusste und damit zunächst verängstigende Umgang damit ist bei genauerer Kenntnisnahme von höchst empfindsamem Charakter. Vergleichbar einer Taube, die vom Himmel hinabsteigt und spirituelle Erhabenheit erzeugt, taucht es freundlich und hilfsbereit aus dem Hinterhalt und entpuppt sich schon bald als verlässlicher Gefährte und Begleiter bei einem turbulenten mystischen Abenteuer. Erste Eigenschaften und Talente werden sichtbar: Sensibilität, Neugierde und Interesse, Kindlichkeit, Hang zur Geselligkeit, Hilfsbereitschaft, aber auch Nachdenklichkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Der im weiteren Verlauf sich fortentwickelnde konsequente atheistische Pazifismus kündigt von einer Souveränität im Umgang auch mit dem Erleben größter Gefühle. Nicht Eile ist geboten, sondern Besonnenheit, Analyse und taktisches Kalkül werden abverlangt. Wahrheit und Liebe bedürfen eben nicht dem Hass oder der Gewalt, um sich selber zu beweisen, sie offenbaren sich als Folge eines Glaubens an die Geduld.
Eine tiefe innere Versunkenheit, ein Erzählen wie in Trance oder nach einer Trance bedingt den gesamten unterhaltenden Teil, der geschieht, sobald das Träumen zum Fliegen anhebt.
Bernard Glasa
Foren-Newbie
Foren-Newbie
 
Beiträge: 41
Registriert: 10.02.2014

Re: Märchenforschung

Beitragvon Bernard Glasa am Fr 24. Okt 2014, 17:44

Hallo, manniro, zu deiner Frage vom 18.02.: Wie läufts mit dem Buch?

Habe inzwischen professionelle Hilfe in Anspruch genommen (nicht so!). War ein langer und zeitweilig zermürbender Prozess, scheint aber inzwischen alles in Ordnung zu sein.
Das Buch kann in verschiedenen E-Book-Formaten erworben werden, auch bei einem Wissenschaftsportal. Wurde als Ethnologie klassifiziert.

schöne Grüße
Bernard Glasa
Bernard Glasa
Foren-Newbie
Foren-Newbie
 
Beiträge: 41
Registriert: 10.02.2014

VorherigeNächste

Zurück zu Grenzwissenschaften / Esoterik

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste