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Katholische Sexualethik

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Katholische Sexualethik

Beitragvon Bergamotte am Sa 4. Nov 2017, 00:18

Das atheistische Weltbild ist in seiner Ungerechtigkeit kaum erträglich für den Menschen. Leute wie Hitler kommen einfach so davon! Der Katholik darf dagegen glauben: Hitler schmort für ewig in der Hölle.

Gut, diese Gerechtigkeit Gottes bedingt auch, dass praktisch jeder in die Hölle kommt, so 99%.

In ihrer letzten Erscheinung zu Fatima übermittelte die Mutter Gottes dem heiligen Seherkind Jacinta Marto: "Die Sünden, die die meisten Seelen in die Hölle stürzen, sind die Sünden gegen die Keuschheit." Und wir wissen ja wie es sich in unserer heutigen Zeit damit verhält.

Nun aber das wichtigste:
Am schlimmsten sind die Homos. Unsere geliebte Kirche lehrt:
Katechismus der Katholischen Kirche hat geschrieben:Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [Vgl. Gen 19, 1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10.], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind" (CDF, Erkl. „Persona humana" 8 ). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.
Und weiter:
Katechismus der Katholischen Kirche hat geschrieben:Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich - vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.
Keuschheit, meine lieben Homos, heißt hier wirklich Keuschheit. Es reicht nicht aus, sich einfach nur homosexuellen Akten zu enthalten. Nein…:
Katechismus der Katholischen Kirche hat geschrieben:Masturbation ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen. Tatsache ist, dass sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleichbleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken", weil „der frei gewollte Gebrauch der Geschlechtskraft, aus welchem Motiv er auch immer geschieht, außerhalb der normalen ehelichen Beziehungen seiner Zielsetzung wesentlich widerspricht". Der um ihrer selbst willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt„die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehung, jene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert" (CDF, Erkl. „Persona humana" 9).
In der Tat, ein schwere Sünde! Masturbation gehört ganz genauso zum “unnatürlichem Laster” wie die Sodomie. Und in der heutigen Zeit greift es um sich wie eine Seuche.

Das heilige Seherkind warnte uns bereits: “Es werden Moden aufkommen, die Unseren Herrn sehr verletzen werden”. Ja, wir befinden uns wahrhaftig im tiefsten Sündenpfuhl – was sich heute “Jungfrau” schimpft legt schon ein Treiben an den Tag, das eher der Hure Babylons gleichkommt. Anatomisch Jungfrau vielleicht, aber doch nicht im Geiste! Und ja, junge Dame, du wirst höchstwahrscheinlich in der Hölle schmoren, denn du bist wahrlich ganz und gar dem Teufel verfallen. Amen. Ab zur Beichte und erzähl dem Priester von deinen wollüstigen Schandtaten. Keine Details auslassen! Vielleicht gibt es dann noch Hoffnung.

Also, zusammengefasst: Die einzige Möglichkeit für Homos keine Todsünde zu begehen ist ihre Geschlechtsorgane komplett zu ignorieren, außer zum urinieren und waschen – ein ganzes Leben lang.

Oder noch kürzer: Kein Orgasmus für Homos!

Eine schwere Prüfung? Nein: “Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.” (Mt 11:30)

Wie unser heiliger und hochgelehrter Doctor Angelicus erklärte, ist die “unnatürliche Sünde” verwerflicher als Vergewaltigung. Es gibt überhaupt nur eine Sünde, die noch schlimmer ist, und die heißt Mord:
Thomas von Aquin: “Summa contra Gentiles” hat geschrieben:Nach der Sünde des Mordes, in der eine bereits existierende menschliche Natur zerstört wird, scheint diese Art von Sünden den nächsten Platz zu nehmen, denn durch sie ist die Generation der menschlichen Natur ausgeschlossen.
Glaubt ihr wirklich, es wäre zu viel verlangt, sich der zweit-schwersten Sünde zu enthalten?
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Re: Katholische Sexualethik

Beitragvon uwe hauptschueler am Sa 4. Nov 2017, 00:45

In der zweiten oder dritten Klasse wurde mir im Religionsunterricht das Beichten beigebracht.
Beim Probebeichten musste man aus einer Sündenliste zu jedem Hauptpunkt eine Sünde beichten. Ein Hauptpunkt war unkeusches Verhalten. Was das sein sollte wurde nie erklärt, aber man hat uns Kinder schon mal dazu dressiert es zu beichten.
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Re: Katholische Sexualethik

Beitragvon manniro am Sa 4. Nov 2017, 10:04

Bergamotte hat geschrieben:Wie unser heiliger und hochgelehrter Doctor Angelicus erklärte, ist die “unnatürliche Sünde” verwerflicher als Vergewaltigung.


Schöner Link. :lol:

Dazu gäbe es viel zu sagen, wenn denn aktuell jemand im Forum aktiv wäre. der für die dort vertretenen Thesen in die Schranken treten möchte. Ist aber nicht nicht. So muß es leider bei den bekannten erbaulichen Betrachtungen bleiben, wie etwa dieser hier:

Wie also im Bereiche des rein Spekulativen jener Irrtum der schwerste und schimpflichste ist, welcher die ersten von der Vernunft selber eingeprägten Principien zum Gegenstande hat; so ist im Bereiche des Thätigseins es das Schwerste und Schimpflichste, gegen das vorzugehen, was gemäß der Natur bestimmt ist.


Was ist denn unter dieser Prämisse beispielsweise vom Zölibat zu halten? Mehr "wider die Natur" geht doch gar nicht. Daß die Aufstellung eines solchen "Princips" auch noch "wider die Vernunft" ist, tut dann schon gar nicht mehr so weh. Denn wenn sich bereits die Erzeuger der Protagonisten dieses Prinzips daran gehalten hätten, hätte diese schöne Regel niemals das Licht der Welt erblickt.

Es hat damit also nicht mehr auf sich, als mit all' solchem Kirchenkram: Widerspruch ist nicht notwendig, das schaffen die alleine. :lol:

Bezüglich "Beichte" sollte man allerdings auch die positiven Aspekte nicht übersehen: Wie mir eine streng katholisch erzogene frühere Lebensgefährtin mal erzählte, hat sie sich - um nicht auch noch als "verstockte Sünderin" gebrandmarkt zu werden - teilweise leichte bis mittelschwere Sünden ausgedacht, wenn es nun wirklich nichts zu beichten gab. Diese frühkindliche Förderung kreativen Denkens sollte man auf keinen Fall geringschätzen! :lol:

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Re: Katholische Sexualethik

Beitragvon nautilus am Mo 6. Nov 2017, 19:32

Bergamotte hat geschrieben:Oder noch kürzer: Kein Orgasmus für Homos!

Könnten sie es nicht mit jemandem anderen Geschlechts machen und sich dabei vorstellen, es wäre ein gleichgeschlechtlicher Partner?

Er: "Ah, Herbert, Herbert!"
Sie: "Wer ist Herbert?"
Er: "Ups..."
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Re: Katholische Sexualethik

Beitragvon Bergamotte am Di 7. Nov 2017, 10:11

manniro hat geschrieben:Was ist denn unter dieser Prämisse beispielsweise vom Zölibat zu halten? Mehr "wider die Natur" geht doch gar nicht. Daß die Aufstellung eines solchen "Princips" auch noch "wider die Vernunft" ist, tut dann schon gar nicht mehr so weh. Denn wenn sich bereits die Erzeuger der Protagonisten dieses Prinzips daran gehalten hätten, hätte diese schöne Regel niemals das Licht der Welt erblickt.
Ja, auf etwas ähnliches wies schon Jeremy Bentham hin mit der Frage, warum denn nicht auch Mönche – aufgrund ihres Verbrechens am Fortbestand der Menschheit – qualvoll geröstet werden. Aber ach, man unterschätzt vielleicht die scholastischen Subtilitäten? In der Tradition von Thomas von Aquin weisen bis heute “moderne” katholische Theologen darauf hin, dass Homosexualität eine aktive Zweckentfremdung der Geschlechtsorgane darstellt. Der einfache Nicht-Gebrauch ist dagegen frei von Sünde.

Der Einwand, dass dann ja auch das Benutzen der Füße zum Bedienen von Orgelpedalen (also nicht gemäß ihres natürlichen Zwecks, d.h. Laufen und Stehen) sündig sein müsste, kam – muss man zugestehen – dem Doctor Angelicus sogar schon selbst. Letztlich läuft dann das ganze auf eine Unterscheidung zwischen “für einen anderen Zweck als ihren natürlichen” (= erlaubt) vs. “für einen Zweck entgegen ihrem natürlichen” (= sündig) hinaus. Wie auch immer man das definiert… es braucht wohl den heiligen Geist um das zu verstehen.

Vor allem, warum folgendes
Bild
denn nun nicht als ein “die Lunge entgegen ihrem Zweck verwenden” gewertet werden soll, ist wohl eines der tiefen, heiligen Mysterien der katholischen Kirche.

Irgendwie schien der Doctor Angelicus selbst schon nicht so wirklich von dieser Argumentation überzeugt gewesen zu sein. Deswegen hebt er an anderer Stelle auf die sündige Verschwendung des Spermas ab.
Thomas von Aquin: “De Malo”. Q. XV. Resp. 1 hat geschrieben:Und so sagt Sirach 34:25: “Kärgliches Brot ist das Leben der Armen, wer es ihnen raubt, ist ein Blutsauger.” Und der menschliche Samen, in dem ein möglicher Mensch existiert, ist für das menschliche Leben mehr bestimmt als irgendwelche anderen äußeren Dinge. Und so sagt auch der Philosoph [= Aristoteles] in “Politik”, dass etwas göttliches im menschlichen Samen liegt, nämlich insofern, dass es einen möglichen Menschen darstellt. […] Und so ist es klar, dass jeder solche Akt der Lust aufgrund seiner Art eine Todsünde ist.
Der hochheilige Kardinal Cajetan erkannte hier jedoch ein ernstes Problem als er seinen Kommentar zu der Summa Theologiae schrieb:
Thomas Cajetan in “Summa Theologiae”. Ed. Leonina. Pars II Sec. Partis. Q. CLIV. Art. XII. Comm. IV hat geschrieben:In demselben zwölften Artikel tritt ein schwerwiegender Zweifel bei der Erwägung der Selbstbefriedigung und des sodomitischen1 Lasters bei Frauen auf ...

1 das ist hier lesbischer Sex. Thomas von Aquin definiert “Sodomie” als gleichgeschlechtlichen Sex.
Denn Aristoteles hatte dummerweise schon herausgefunden, dass der weibliche Orgasmus für das Eintreten der Schwangerschaft irrelevant ist. Muss man also Lesben und Masturbantinnen als untadelig und unsündig entlassen? :shock:

Was dann kommt habe ich nur überflogen. Es gibt leider keine Übersetzung und mein Latein ist etwas eingerostet. Nach endloser Argumentation kommt er jedenfalls zu dem Schluss – wie wäre es anders zu erwarten – dass derartiges Treiben natürlich auch eine Todsünde ist. Irgendwas ähnliches, ein “semen feminae”, muss da bei der Frau doch auch verschwendet werden. Sonst gäbe es ja überhaupt keinen Grund für diese “delectatio”, meint der edle Kardinal.

Jemand sollte mal ein Buch über die Entwicklung der katholischen Sexualethik schreiben, wie sich die Guten nach und nach in die Sackgasse manövriert haben aus der sie jetzt einfach nicht mehr herauskommen. Selbst die simpelsten Änderungen, wie Beichte und Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene zu öffnen (da was anderes sich sowieso nicht praktisch durchsetzen lässt), stoßen auf heftigsten Widerstand:
n-tv hat geschrieben:Dutzende konservative katholische Theologen, Priester und Religionsvertreter haben Papst Franziskus in einem offenen Brief ketzerisches Verhalten vorgeworfen. Im Kern geht es dabei um das päpstliche Schreiben "Amoris Laetitia", in dem es unter anderen um einen offeneren Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen geht.
Ja, was macht man, wenn der Papst selber ein Häretiker ist?
nautilus hat geschrieben:Könnten sie es nicht mit jemandem anderen Geschlechts machen und sich dabei vorstellen, es wäre ein gleichgeschlechtlicher Partner?
Theoretisch ja, allerdings ist auch Sex außerhalb der Ehe eine Todsünde, die einen ohne Beichte vor dem Ableben direkt in die ewige Verdammnis führt. Man müsste dann schon heiraten – das wäre etwas heftig.
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